SSV Leutzsch

© Leipziger Volkszeitung vom 06.03.2008

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Klinger-Gymnasiasten diskutieren mit Ex-Weltklasseschwimmerin Sabine Klenz

Höher, schneller, weiter. Die inzwischen zur gesellschaftlichen Devise gewordene Jagd nach Rekorden bestimmt auch und besonders den Sport. Zusammen mit Zuschauern, Journalisten, Trainern und Veranstaltern lechzen Athleten und Athletinnen nach immer besseren Leistungen. Genährt wird die Spirale im Spitzenbereich von Sponsoren mit immer lukrativeren Prämien und stetig steigenden Gehältern. Bleibt der Erfolg aus, ist die Enttäuschung groß und finanzielle Einbußen drohen. Da sinkt bei einigen die Hemmschwelle, zu unerlaubten Hilfsmitteln zu greifen.
Das sieht Sabine Klenz ähnlich. Obgleich die frühere Weltklasseschwimmerin nach eigener Aussage selbst nie gedopt hat. „Mir ist auch nie etwas angeboten worden. Weder von Trainern noch von Verantwortlichen.“ Allerdings trainierte die heute 33-Jährige zeitweise zusammen mit Kristin Otto und Silke Hörner unter Stefan Hetzer. Und dieser wurde im Jahr 2000 wegen der Weitergabe verbotener Substanzen zu einer Geldstrafe verurteilt.
Doch die Olympiavierte von Atlanta über 400 m Lagen sitzt nicht auf der Anklagebank. Vielmehr stellt sie sich freiwillig den Fragen der Schüler des Max-Klinger-Gymnasiums als Expertin. Mit einer über 15-jährigen Karriere im Leistungssport und als diplomierte Trainerin in Diensten des SSV Leutzsch ist sie das zweifelsfrei. „Ziel war es, noch mehr Informationen für unsere Anti-Doping-Kampagne zu sammeln“, sagt Jan Sommerfeldt. „Da ist die Meinung einer erfahrenen Sportlerin eine wichtige Quelle.“
Der 18-Jährige ist einer von gut 30 Elftklässlern, die im projektbezogenen Gesellschaftskunde-Unterricht an einer Plakatserie mit dem Titel „Sp(r)itzensport dank Doping“ arbeiten. „Das Ganze ist Teil einer Initiative der Bundeszentrale für politische Bildung“, erklärt die federführende Lehrerin Annelie Helbing. „Nach der Ausschreibung im letzten Jahr wurde uns das Thema zugeteilt.“ Es hätte schlechter kommen können, wie das nicht enden wollende Interesse der Schüler zeigt.
Gespannt lauschen alle, als Sabine Klenz ihren faustdicken Aktenordner aufschlägt und anhand von allerlei Unterlagen das engmaschige Kontrollnetz in Deutschland erklärt. „Jeder Spitzensportler hat die Pflicht immer anzugeben, wo er sich wann aufhält“, erzählt die Mutter eines Sohnes, während sie einen Meldebogen zeigt. „Seit 1994 hat sich die Anzahl der Kontrollen auf inzwischen 8000 pro Jahr verzehnfacht. Allerdings sind regelmäßige Tests erst seit 1999 üblich.“
Dennoch glaube sie, dass der Sport hierzulande weitestgehend sauber sei. „In den letzten beiden Jahren waren nicht einmal ein Prozent der Proben positiv und die vor allem im Radsport und der Leichtathletik“, konstatiert die Schwester von Schwimmer Stefan Herbst, der sich auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Dass die Dunkelziffer weitaus höher liegen dürfte, wissen die Schüler aus eigenen Recherchen. „Natürlich sind Wissenschaftler und Ärzte den Kontrolleuren immer einen Schritt voraus“, meint Sabine Klenz. Auch hier gilt demnach die Devise: Höher, schneller, weiter. Thomas Haegeler
LVZ vom 06.03.2008


Bildunterschrift:

Anschauungsmaterial in Hülle und Fülle: Sabine Klenz beim Treff mit den Klinger-Gymnasiasten. Foto: Thomas Haegeler